Wer sind Sie?
Hallo, mein Name ist Michel. Ich habe einen GAEC-Betrieb (Groupement Agricole d'Exploitation en Commun – landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft) mit 130 Milchkühen in der Gemeinde Jetterswiller. Ich bin zudem der Vorsitzende von Alsace Lait. Ich habe meine ganze berufliche Laufbahn in der Milchbranche verbracht ... Seit über 40 Jahren bin ich in diesem Bereich tätig und habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.
Woher kam Ihre Leidenschaft für Milch?
Ha, die Leidenschaft für Milch bekommt man meiner Meinung nach wortwörtlich in die Wiege gelegt. Man könnte sagen, ich bin wie Obelix als Kind hineingefallen. Meine Eltern hatten bereits einen Milchviehbetrieb, ich bin inmitten von Tieren aufgewachsen. Es lag auf der Hand, dass ich daraus meinen Beruf machen wollte.
Ich mag Tiere sehr, aber ich muss auch zugeben, dass unsere geografische Lage in den Vogesen uns keine große Wahl lässt. Tatsächlich sind von 180 Hektar 80 Hektar mit Gras bewachsen. Um das Gras zu verwerten, ist die Milchproduktion also am besten geeignet. Ein Betrieb situiert sich auch in einen wirtschaftlichen Kontext. Nicht umsonst sind heute die meisten der noch im Dorf verbliebenen Landwirte in der Milchproduktion tätig. Wir lieben Tiere, aber sie müssen auch unseren Lebensunterhalt sichern.
Welche Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach für Ihren Beruf notwendig?
Erstens Leidenschaft ... Man muss schon eine Leidenschaft für diesen Beruf haben!
Zweitens Geduld ... In der Landwirtschaft sät man und muss dann ein Jahr lang warten, bevor man erntet. Das gilt auch für die Milchproduktion. Sie beginnen mit einer Kuh, die dann besamt wird. Anschließend muss man 9 Monate warten, bis man ein Kalb hat, das aufgezogen werden muss ... Das ist ein langer Prozess.
Es braucht Beharrlichkeit: denn der wirtschaftliche Kontext ist schwierig. 30 Jahre lang wurde unsere Produktion durch ein Quotensystem geregelt ... Das konnte die Märkte etwas stabilisieren. Heute befinden wir uns in einer wirtschaftlich instabilen Lage.
Haben Sie einen Rat für junge Menschen, die sich niederlassen möchten?
Ich denke, sie werden bessere Jahre vor sich haben als wir.
Es gibt immer mehr Menschen auf der Erde und die brauchen Nahrung. Chinesen, Amerikaner, Afrikaner ... alle essen das Gleiche. Milch, Fleisch und Getreide werden weiterhin die Grundpfeiler der Welternährung sein. Auch wenn es heute viele Menschen gibt, die sich vegan ernähren, so wird man wohl nie Gras essen.
Die Weltbevölkerung hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt und wir sind mittlerweile 7,5 Milliarden Menschen. Der Nahrungsmittelbedarf an Milch steigt weltweit um 1 bis 1,5 % pro Jahr.
Die jungen Generationen, die in die Landwirtschaft eintreten, werden von diesem Volumeneffekt profitieren.
Können Sie uns Ihren typischen Tagesablauf schildern?
Ein typischer Tag beginnt gegen 7 Uhr morgens mit dem Melken. Dann kümmert man sich um die Fütterung und Pflege der Tiere, anschließend um die kleinen Kälber (wir haben sehr regelmäßig Geburten).
Danach steht je nach Jahreszeit Feldarbeit auf dem Programm (Silage, Heu, Behandlung der Kulturen usw.). Jeder hat seinen Aufgaben.
Unser typischer Tag ist nie eintönig, hängt aber stark vom Wetter ab. Je nachdem, ob es regnet oder nicht, ändern wir unser Programm. Man geht mit den Jahreszeiten, was sehr angenehm ist. Es wird kein Gras gemäht, wenn man weiß, dass es am nächsten Tag regnen wird ... Das ist eine ziemliche Organisation.
Ein typischer Tag endet in der Regel gegen 19:30 Uhr nach dem zweiten Melken.
Ziehen Sie als Milchkuhhalter Vollmilch- oder Magermilch vor?
Hahaha ... Ich glaube, meine Frau macht gerade ein bisschen Butter. Wir trinken demnach wohl fettarme Milch. Sie entrahmt sie ein bisschen ...
Wir mögen auch den Käse, den wir direkt auf dem Bauernhof machen ... Dafür verwendet sie Vollmilch. Denn der Geschmack der Milch liegt im Fettanteil!
Was kann man Ihnen wünschen?
Ich bin 60 Jahre alt ... Was können Sie mir wünschen? Nicht krank zu werden, jeden Tag arbeiten zu können ... Und dazwischen glücklich zu sein! Und dass es den Milchpreisen besser geht.